Über Zweiklassenmedizin und Patientenversorgung nachdenkend, muß in Erinnerung gerufen werden, dass Kassenärzte 20 oder 22 Wochenstunden-Verträge mit den Krankenkassen haben und damit 40 oder 45 Wochenstunden arbeiten. Dazu gibt es noch die Deckelungen, weshalb ein jeder Kassenarzt, der ganztags in einer 45 Stunden-Woche für die Kasse arbeitet, anstatt in der zweiten Wochenhälfte Privatpatienten zu behandeln, als altruistischer Samariter mit Helfersyndrom zu bezeichnen ist.
Um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern, wurden zuletzt wenigstens einzelne Deckelungen aufgehoben.
Wenn allerdings mit jungen Kollegen neue Verträge abgeschlossen werden, so ist darauf zu achten, dass mit einer Steigerung der verpflichtenden Wochenstunden im Vertrag, etwa von 20 auf 40 Wochenstunden, auch die Honorierung VERDOPPELT werden müßte.
Das Kassenarztangebot konnte offenbar in den letzten Jahren für neue Ärztegenerationen nicht attraktiv genug gehalten werden, sondern wurde immer noch größeren Zwängen und Unfreiheiten (Punktelimits, E-Card-Verträge, Verlust von Hausapotheken) unterworfen.
Wenn es nicht gelingt, das Kassenarztsystem für mehr als nur eine Randgruppe von Ärzten wieder attraktiv zu gestalten, resultiert daraus die Zweiklassenmedizin.

Dr. Andreas Orou

Dermatologe in Jenbach