Die elektronische Krankenakte ist objektiv gesehen zweifellos ein Fortschritt. Alle Versuche, sich ihr entgegenzustellen, sind mit Widerständen gegen große Erfindungen zu vergleichen, wie etwa dem Handy, dem Telefon, dem Auto, dem Staubsauger oder der Eisenbahn.
Die Kommunikationswege werden verkürzt, es entfallen zeitaufwendige und sinnlose Telefonate und Befundanforderungen, von der Vermeidung der kostspieligen doppelten Durchführung von Labor- und radiologischen Untersuchungen und den damit verbundenen Kosteneinsparungen ganz zu schweigen.
Weswegen Widerstände von seiten der Ärzte gegen ELGA aufkamen und noch immer bestehen, liegt an der Art der Einführung von ELGA, nämlich, dass dieses System jedem Bürger übergezogen wird, ob er es nun will, oder nicht. – Wer es nicht wolle, könne sich ja hinausoptieren („Opting out“).
Etwaige Fragen nach dem Grund, sich hinausoptieren zu wollen (etwa psychiatrische Diagnosen, HIV-Erkrankung), stehen naturgemäß unausgesprochen im Raum, wenn jemand nicht teilnehmen und sich hinausoptieren will.
Korrekt wäre eine langsame Einführung auf eigenen Wunsch des Patienten („Opting in“) gewesen. Dann hätte sich die Zahl der begeiterten ELGA-User längst gemehrt und wäre bereits zu einer wachsenden zeit- und kostensparenden Community angestiegen.
Gerade für ältere, weniger organisierte Menschen bietet ELGA einen Sicherheitsvorteil, weil die medizinischen Informationen rasch zu Verfügung stehen.
Mangelndes politisches Gespür und organisatorischer Dilettanismus von seiten des Ministeriums und des Hauptverbandes sind der Grund, weshalb das System bis heute noch nicht angenommen wurde.
Vielleicht kann man das ändern. Es läge an uns, wie wir dies verhandeln.

Dr. Andreas Orou

Dermatologe in Jenbach